
Es ist der 1. August. Ein Dienstag. Das neue Schuljahr beginnt. Mir wäre ein Montag lieber. Ich mag es, wenn Daten und Wochentage zusammenpassen. Das fühlt sich aufgeräumt an und verschafft mir innere Ruhe. In meinem Berufsalltag sind Ordnung und Ruhe überlebenswichtig, um entspannt durch das Chaos zu schwimmen. Deshalb beginne ich mein neues Schuljahr am 1. August.
Es sind noch drei Wochen Sommerferien – unterrichtsfreie Arbeitszeit für mich – denn meine Urlaubstage inklusive der gesammelten Überstunden der ersten Jahreshäfte (41) sind vorbei. Noch befinde ich mich an meinem Urlaubsort. Aber während der unterrichtsfreien Zeit kann ich überall auf der Welt arbeiten.

Die erste Aufgabe im neuen Schuljahr ist immer: Planen. Planen beruhigt. Mich selber, aber vor allem auch die Schüler später im Unterricht. Das ist eine wichtige Erkenntnis aus meinen inzwischen gut 10 Jahren Dasein als Lehrerin. Sie deckt sich exakt mit meiner ungefähr ebenso langen Erfahrung als Mutter:
Kinder brauchen Ruhe.
Als Mutter habe ich meine Kinder jahrelang getragen und gestillt, damit sie ruhig sein können. Ich habe ihren Rhythmus geachtet und meinen Alltag am Anfang nur darauf ausgerichtet. Ruhige Babys kucken irgendwann neugierig in die Welt. Ruhige Kleinstkinder krabbeln irgendwann mutig immer weiter weg von Mama. Ruhige Kleinkinder flitzen irgendwann allein über den Spielplatz und brauchen Mama nur noch in der Ferne fest auf einer Bank stationiert.
Ruhige Schüler können sich auf neue Themen einlassen. Sie können in Übungen versinken und sich auf Dinge konzentrieren. Es ist die schönste und entspannendste Ruhe, wenn ich als Lehrerin an solch lernenden Schülern vorbeischleichen kann, nur um hin und wieder mal eine Frage zu beantworten, einen Tipp zu geben, ein Lächeln zu schenken.

Der Weg dorthin beginnt für mich immer am Anfang des Schuljahres in diesen unterrichtsfreien Tagen. Ein guter Plan schafft Ruhe.
Ich schaue mir also in aller Ruhe den Kalender für die nächsten 12 Monate an. Ich betrachte die Aneinanderreihung der Wochen, ich zähle sie als wären sie Murmeln auf einer langen Schnur. Ich kucke mir an, wie viele Murmeln in eine Jahreszeit fallen, in einen Monat. Dann gruppiere ich sie zu Schulwochen und Ferienwochen. Ich zähle die Anzahl von Wochen zwischen den Ferien und ich beobachte wie viele Murmeln nicht ganz rund sind, weil sie von einzelnen Feiertagen unterbrochen sind.

Mit diesen ersten Zahlen baue ich meinen Kalender. Seit ein paar Jahren mache ich das digital mit einem einfachen Tabellenprogramm. Da unsere Schulplattform ein Only Office Paket installiert hat, nutze ich eben das.
Ich lege eine Tabelle für das gesamte Schuljahr an: 7 Spalten, eine für die Nummerierung, fünf für die Wochentage und eine für die Summe der Überstunden. Die brauche ich, um meinen Urlaub zu planen. Damit fülle ich meinen Kalender als erstes. Ich bekomme 6 Wochen Urlaub pro Kalenderjahr. Eine nehme ich in den Winterferien, eine in den Herbstferien und zwei in den Sommerferien. Die fünfte Woche nutze ich zusammen mit den Überstunden, um die Oster- und Weihnachtferien freizunehmen und meistens für eine weitere Woche in den Sommerferien. Wenn die Urlaubstage eingetragen sind, markiere ich als nächstes alle Ferienwochen und einzelne freie Tage als meine unterrichtsfreie Arbeitszeit. Das sind nochmal etwa 6 Wochen pro Kalenderjahr. Diese Zeit ist mir sehr wichtig. Es ist die einzige Zeit in meinem Alltag, in der ich ganz allein für mich bin, nachdenken kann und Stille um mich habe. 6 Wochen pro Jahr.

An diesem ersten Arbeitstag des neuen Schuljahres investiere ich also erstmal zwei Stunden Zeit für die digitale Tabelle, die mein Schuljahresablaufplan wird (so heißt das wirklich). Danach lege ich ein zweites Blatt als Vorlage für meine Wochenansicht an. Hier füge ich Formeln ein, die automatisch mitzählen werden, wieviel ich für welchen Bereich gearbeitet habe. Also Unterricht, Unterrichtsvorbereitung, Beratungen, Elterngespräche, Klassenleitung und so weiter. Danach lege ich noch die Regeln für die bedingte Formatierung fest, damit eine Tätigkeit immer in derselben Farbe markiert wird. Für das Zählen der Überstunden baue ich noch weitere Formeln und Verlinkungen ein, um sie am Ende auf dem ersten Blatt, also dem Jahreskalender auf einen Blick zu sehen. Weitere zwei Stunden brauche ich dafür. Da ich meine genaue Aufgabenverteilung noch nicht genau kenne, beende ich an dieser Stelle meinen ersten Arbeitstag.


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