
Ich sitze im Fachraum für Informatik und schaue aus dem Fenster. Es ist still um mich herum. Der zweite Kaffee dampft auf dem staubfreien Fensterbrett. Ich bin ganz allein im Schulhaus. Allein mit meinen Gedanken, in die ich immer tiefer versinke. Es sind Ideen und Listen in meinem Kopf, die ich schweigend jongliere. Wenn ich ein paar Stunden so verbringe, spüre ich die Stille wie einen sanften Druck um mich herum.
In dieser Woche habe ich Zeit für meine Unterrichtsvorbereitungen: die Stoffverteilungen und Lernbereichsplanungen in den einzelnen Fächern. Ich unterrichte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit
- Informatik Klasse 7
- Informatik Klasse 8
- Informatik Klasse 9
- Informatik Klasse 10
Wahrscheinlich ist auch, dass ich Englisch in Klasse 7 unterrichte, allerdings steht noch nicht fest, ob es in der Realschul- oder in der Hauptschulgruppe sein wird. Also ist eine Planung hierfür erstmal noch nicht sinnvoll. Es kann zudem sein, dass ich weitere vier Stunden Englisch an einer anderen Schule unterrichten muss. Aber hier steht weder fest, ob ich dorthin abgeordnet werde noch welche Klassenstufe es sein wird. Ich konzentriere mich in dieser Woche also ganz auf den Informatikunterricht.
Da ich die Klasse 7 und 8 bereits in den vergangenen zwei Jahren unterrichtet habe, muss ich die Stoffverteilung und Lernbereichsplanung nur noch etwas anpassen. Die Hauptarbeit wird das Erstellen von Inhalten und Materialien sein. Mein Fachraum ist als Selbstlernraum konzipiert. Alle Materialien müssen also soweit fertig im Regal liegen, dass die Schüler damit selbstständig arbeiten können. Dazu kommen die digitalen Lektionen und Übungen, die ich auf der Lernplattform veröffentliche. Hier möchte ich in dieser Woche ein paar Videos aufnehmen und interaktive Übungen bauen. Die Ruhe im Schulhaus ist dafür genau richtig.
Mein Schweigen wird also nur hin und wieder unterbrochen, wenn ich Lektionen vor der Kamera erkläre. Ansonsten verbringen ich die Tage mit schneiden, kleben, kopieren und einräumen meiner Regale. Ich liebe es, die Regalböden zu wischen, dann die sauberen Kartons hineinzustellen und zum Schluss das glatte Papier einzulegen. Wenn es passt, lege ich Realien mit dazu – Kabel oder Stecker zum anfassen, Platinen zum auseinander schrauben, Lego um Sortierkonzepte nachzuvollziehen. Wenn ich nach so einem stillen Arbeitstag den Raum verlasse und alles am richtigen Ort steht, fühle ich mich auch in meinem Inneren aufgeräumt. Dieses Gefühl ist im Unterrichtsalltag schwer beizubehalten. Deshalb genieße ich diese ruhigen Tage um so mehr.
Ich arbeite seit einem Jahr mit der modern classroom Methode. Ich hatte sie über den tollen Podcast von Angela Watson entdeckt. Den Mini-Onlinecrashkurs habe ich nebenher im Zug gemacht und war sofort überzeugt. Nicht mehr frontal alles erklären zu müssen, Zeit für Gespräche mit den Schülern zu haben und genau zu sehen, wie weit sie im Inhalt vorangekommen sind, gestaltet meinen Informatikunterricht inzwischen sehr angenehm. Dazu kann ich jederzeit spontane Vertretungsstunden schmeißen, indem ich einfach nur den Raum aufschließe. Die Schüler arbeiten dann weiter, wo sie aufgehört haben. Es ist super.

Da Informatik nur eine Stunde pro Woche stattfindet, ist es im Vergleich zu Deutsch oder Englisch viel einfacher zu planen. Laut Lehrplan-Zeitrichtwert sind es 25 Stunden, die für den Inhalt gebraucht werden. Das ist eine überschaubare Liste. Für die Stoffverteilung kopiere ich die Lehrplan-PDF einmal in meine Canva-Ablage. Dort passe ich das Layout einer Klassenstufe so an, dass ich die Lehrziele untereinander wie auf einer To-Do-Liste aufgereiht habe. Dann nummeriere ich sie so durch, dass sie zur Zahl des Zeitrichtwerts passen und lege fest, an welchen Stellen eine Bewertung liegt. An meiner Schule ist eine Note pro Monat vorgeschrieben, also zähle ich alle vier Wochen aus und überlege mir eine sinnvolle Arbeit, ein Projekt, einen Test für die Notensammlung.
Die Lernbereichsplanung ist in Informatik auch ziemlich einfach. Es gibt nur zwei Lernbereiche pro Klassenstufe. Ich beginne immer mit der Erstellung der konkreten Aufgaben, die benotet werden müssen. Dazu nehme ich die Lehrziele, die bis dahin laut Stoffverteilung durchgelaufen sind und überlege, wie die Schüler beweisen können, dass sie das Ziel erreicht haben. So entstehen Projektaufgaben oder Tests. Ich gestalte sie komplett fertig inklusive Punktzahl. Danach schaue ich, in welcher Reihenfolge die Themen bis zu den Tests sinnvoll angeordnet sind und schreibe für jede Stunde das Lernziel im Doppelverb-Satz auf. Für den ersten Lernbereich habe ich dann z.B. 10 und für den zweiten Lernbereich 15 solcher Sätze. Sie sind für den dritten Planungsschritt – die Stundenplanung – im Schulalltag meine Grundlage. In der Vorbereitungszeit plane ich für gewöhnlich den Lernbereich für das erste Halbjahr und die ersten Stunden, um etwas Vorlauf zu haben. Idealerweise habe ich auch schon das passende Material gesucht, gesichtet und gesammelt – für Informatik sind das Technik zu anfassen und zerlegen, Programme oder andere Gegenstände, die Spaß machen (Lego, Puzzle usw.).

Ich schließe die Tür. Es ist Freitagnachmittag. Mein Informatikfachraum ist vorbereitet für dieersten Wochen in Klasse 7, 8 und 9. Klasse 10 muss ich improvisieren, weil ich keine extra Arbeitszeit bekomme, mich in den Inhalt einzuarbeiten. Fachfremd heißt eben auch freiwillig und zusätzlich, es gibt keinen Ausgleich dafür. Nächste Woche ist Vorbereitungswoche. Das heißt meine Kollegen werden zeitweise da sein und eine Dienstberatung wird stattfinden. Ich werde hoffentlich erfahren, welche Klassen ich genau übernehme und mich dann um Englisch und die Klassenleitung kümmern.

An diesem ersten Arbeitstag des neuen Schuljahres investiere ich also erstmal zwei Stunden Zeit für die digitale Tabelle, die mein Schuljahresablaufplan wird (so heißt das wirklich). Danach lege ich ein zweites Blatt als Vorlage für meine Wochenansicht an. Hier füge ich Formeln ein, die automatisch mitzählen werden, wieviel ich für welchen Bereich gearbeitet habe. Also Unterricht, Unterrichtsvorbereitung, Beratungen, Elterngespräche, Klassenleitung und so weiter. Danach lege ich noch die Regeln für die bedingte Formatierung fest, damit eine Tätigkeit immer in derselben Farbe markiert wird. Für das Zählen der Überstunden baue ich noch weitere Formeln und Verlinkungen ein, um sie am Ende auf dem ersten Blatt, also dem Jahreskalender auf einen Blick zu sehen. Weitere zwei Stunden brauche ich dafür. Da ich meine genaue Aufgabenverteilung noch nicht genau kenne, beende ich an dieser Stelle meinen ersten Arbeitstag.



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